Tauchen statt Meditieren: 3 Gründe für den Tauchschein

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Einfach mal abtauchen. Den Alltag vergessen. Eine faszinierende neue Welt entdecken. Tauchen ist längst ein beliebter Urlaubssport. Und das zurecht. Bunte Korallen und beeindruckende Lebewesen in sämtlichen Größen, Farben und Formen sind nicht nur wunderschön anzuschauen. Das Tauchen ermöglicht Einblicke in eine Welt, die so anders ist als alles, was wir kennen. Andere Geräusche, andere Geschwindigkeiten, und eine andere Perspektive auf uns selbst. In der Unterwasserwelt sind wir Gäste außerhalb unseres natürlichen Lebensraumes und haben die Chance, durch unsere Besuche in dieser wundervollen Welt nicht nur unseren Planeten besser kennenzulernen, sondern auch uns selbst.

Es begann mit schnorcheln ohne Schnorchel.

Ich war schon immer eine Wasserratte. Ob beim Schulschwimmen, oder im Urlaub – sobald es irgendwo die Möglichkeit gab, verbrachte ich mehr Zeit im Wasser als an Land. Meistens hielt ich mich dabei lieber im Hotel Pool auf als im Meer, doch das änderte sich spätestens, als ich mit dreizehn Jahren im Urlaub auf Lanzarote mit meiner Schwimmbrille einfach mal den Kopf unter Wasser hielt und aus dem Staunen gar nicht mehr rauskam. Im klaren Wasser des Atlantik sah ich Fische, Korallen und Seeigel. Ab da verbrachte ich den restlichen Urlaub unter Wasser. Meine „Tauchkarriere“ beschränkte sich damals allerdings auf schnorcheln ohne Schnorchel (man kann es sich natürlich auch unnötig schwer machen).

Wie ich mich in das Tauchen verliebt habe.

Die erste richtige Taucherfahrung (wenn ich hier von „Tauchen“ spreche, meine ich übrigens „scuba diving“, also Gerätetauchen mit Flasche) machte ich dann Jahre später auf Kuba beim Schnuppertauchen. Und da war es dann um mich geschehen. Bis dahin hatte ich mit dem Tauchsport überhaupt keine Berührungspunkte. In meinem Kopf war Tauchen verknüpft mit „teuer“ (was auch stimmt) und „schwierig“. Doch nachdem ich mich hatte überreden lassen, doch einfach mal eines der unzähligen Wassersport Angebote in unserem damaligen Urlaubsort auszuprobieren, schwebte ich nun vor mich hin. In der Unterwasserwelt der Karibik, verzaubert von der ersten Sekunde. Und ich spürte: Tauchen ist nicht einfach ein besonderes Hobby. Tauchen ist lebensverändernd. Es dauerte dann noch ein paar weitere Jahre, bis ich in Thailand schließlich den Tauchschein machte. Und seitdem ist Tauchen aus der Urlaubsplanung nicht mehr wegzudenken.

Beim Tauchen lernst du für's Leben.

Was macht das Tauchen so faszinierend? Beeindruckende Landschaften und Tierwelten gibt es schließlich auch über Wasser und mit weniger Aufwand und Kosten zu bestaunen. Ich würde sagen: Ja (unter Vorbehalt). Denn was man beim Tauchen sehen kann, ist schon sehr besonders. Worauf ich nun aber eingehen möchte, ist ein anderer Aspekt, der das Tauchen für mich so besonders macht. Denn Tauchen ist nicht einfach nur jedes Mal ein tolles Erlebnis. Sondern durch das Tauchen habe ich schon so viel für mein Leben und sogar für den Alltag gelernt. Die drei für mich bislang (da wird bestimmt in Zukunft noch viel mehr kommen) wichtigsten Erkenntnisse möchte ich nun mit dir teilen.

Punkt 1: Du erweiterst deinen Horizont.

Tauchen ist eine neue Fähigkeit, die du erstmal erlernen musst. Dadurch schaffst du neue Verknüpfungen im Gehirn. Und du erweiterst deine Komfortzone. Denn wenn du noch nie tauchen warst, ist das erstmal neu und ungewohnt und du verlässt dein gewohntes Terrain, um dich dieser neuen Herausforderung zu stellen. Mit zunehmender Übung wirst du immer sicherer. Dadurch macht das Tauchen immer mehr Spaß und du erlebst, welche neuen Möglichkeiten der anfängliche Schritt ins Unbekannte für dich bereithält.

Punkt 2: Du konzentrierst dich auf eine bewusste Atmung.

Das für uns Selbstverständlichste überhaupt, das normalerweise ganz automatisch abläuft, ist auf einmal nicht mehr selbstverständlich: Das Atmen. Denn unter Wasser sind wir hierbei auf unsere Ausrüstung angewiesen. Und wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist das Atmen aus einer Flasche über einen Atemregler ein anderes Gefühl, als das ganz natürliche Atmen über Wasser. Zu Beginn ist das erstmal komisch (ich persönlich hatte anfangs das Gefühl, ich bekomme gar nicht ausreichend Luft über den Atemregler), aber man gewöhnt sich wie ich finde doch relativ schnell daran. Trotzdem bleibt das Atmen unter Wasser ein anderes als das, was wir eigentlich kennen. Aus dem eigentlich automatischen Ablauf wird ein bewusster Prozess. Ich merke immer wieder beim Tauchen, wie sehr mich die Konzentration auf meine Atmung entspannt. Was mir über Wasser schwer fällt, nämlich mir die Zeit zu nehmen, einfach mal auf meine Atmung zu achten, ist beim Tauchen auf einmal ganz leicht. Und ich komme (fast) jedes Mal tiefenentspannt aus dem Wasser. 

Punkt 3: Du lernst, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben.

Ich wünsche es niemandem, aber es kann natürlich auch mal unangenehme oder sogar gefährliche Situationen beim Tauchen geben. Meine persönliche bislang schlimmste Situation war, als mein Freund und ich auf den Malediven am Hausriff die Orientierung verloren haben und gleichzeitig von der Strömung in irgendeine Richtung getrieben wurden. Kurzer Spoiler: Es ging letztendlich alles gut und mit unseren Kenntnissen über die Kommunikation unter Wasser und einigen anderen wichtigen Dingen, die man beim Tauchschein lernt, konnten wir die Situation schließlich gut lösen. Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor hierbei war, in der Situation ruhig zu bleiben. Denn nur so konnten wir besonnen handeln und richtig reagieren. Natürlich ist das Ziel nicht, beim Tauchen in schwierige Situationen zu geraten. Doch die ein oder andere Herausforderung kann es schon mal geben. Schon allein, was du beim Tauchschein hierzu lernst und dir mit entsprechenden Übungen aneignest, kann dir auch außerhalb des Tauchsports helfen, in herausfordernden Situationen ruhig, besonnen und konzentriert zu bleiben.

Tauchen stärkt Mut und Selbstvertrauen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Tauchen aus meiner Sicht einen sehr positiven Effekt auf das persönliche Wachstum hat. Zum einen stellst du dich einer neuen Herausforderung, erweiterst so deine Komfortzone und entwickelst den Mut, auch in anderen Lebensbereichen neue Dinge auszuprobieren. Zum anderen findest du deine innere Mitte, indem du dich diesem wundervollen Erlebnis hingibst. Du erlebst dich selbst in völlig neuen Situationen, in einer wunderschönen ungewohnten Umgebung. Du lernst, auf dich und deine Fähigkeiten zu vertrauen und auch in schwierigen Situationen ruhig und besonnen zu bleiben. Und du erlebst eine Verbundenheit mit der Welt um dich herum, aus der du so viel Kraft schöpfen kannst, dass du damit eine völlig neue Energiequelle für dich erschließt.

Ich war noch nie tauchen. Wie fange ich überhaupt an?

Um tauchen zu gehen, benötigst du einen Tauchschein. Diesen kannst du entweder zuhause, oder in einer Tauchschule im Urlaub machen. Ich habe meinen Tauchschein z. B. in Thailand gemacht. Der Ablauf ist sehr unkompliziert. Du gehst zu einer Tauchschule, sagst, dass du den Tauchschein machen möchtest, und los geht’s. Um sicherzugehen, dass keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, ist es sinnvoll, vorab ärztlich deine Tauchtauglichkeit untersuchen und bescheinigen zu lassen (ab einem gewissen Alter sogar Pflicht, informiere dich daher am besten vorher). Du kannst einfach mal recherchieren, wo in deiner Stadt du eine solche Tauchtauglichkeitsuntersuchung machen kannst. Nimm die Tauchtauglichkeitsbescheinigung dann am besten auch mit zur Tauchschule, damit du diese bei Bedarf vorzeigen kannst.

Warum brauche ich einen Tauchschein und wie ist der Ablauf?

Der Tauchschein dient unter anderem deiner eigenen Sicherheit, da du dort in Theorie und Praxis alles Wichtige lernst. Denn Tauchen ist ein wundervoller Sport, aber wir befinden uns dabei in einer für uns fremden Umgebung. An der Tauchschule musst du normalerweise zuerst einen kleinen Fragebogen ausfüllen, in dem es unter anderem auch nochmal um deine Gesundheit geht. Denn deine Sicherheit steht an erster Stelle. Der Tauchschein folgt den Richtlinien der weltweit agierenden Tauchorganisationen. Somit gibt es einheitliche Standards, beispielsweise was die Verständigung unter Wasser betrifft. Für den ersten Tauchschein („Open Water“) solltest du in der Regel drei bis vier Tage einplanen. Danach kannst du durch weitere Scheine deine Kenntnisse erweitern. Für den Anfang direkt eine komplette Tauchausrüstung zu kaufen, kann man machen, muss man aber nicht. Ich habe zum Beispiel am Anfang einfach alles ausgeliehen (das geht eigentlich immer direkt bei der Tauchschule) und mir über die Jahre Stück für Stück meine eigene Ausrüstung zugelegt. Denn vor allem, wenn du nur selten mal im Urlaub tauchen gehst, oder deine Tauchurlaube beispielsweise mit Backpacking verbindest, macht eine komplette eigene Ausrüstung erstmal nicht unbedingt so viel Sinn. Wenn du aber vor hast, regelmäßiger zu tauchen, ist es von Vorteil, deine eigene Ausrüstung zu haben, mit der du dich vor allem gut auskennst (ist auch ein Sicherheitsaspekt).

Tauchschein lieber im Urlaub oder zuhause?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister und es gibt hier meiner Meinung nach kein richtig oder falsch. Beides hat Vor- und Nachteile. Grundsätzlich hast du beim Tauchschein sowohl Theorie-, als auch Praxiseinheiten. Wenn du keine Lust hast, im Urlaub in einem Kursraum zu sitzen und abends noch die Theorie zu lernen, spricht das dafür, den Tauchschein eher zuhause zu machen. In Deutschland hast du hierzu einige Möglichkeiten. Allerdings finden die Praxiseinheiten dann entsprechend der heimischen Gegebenheiten Indoor und im See statt, anstatt im Meer. Ich fand es super schön, bereits während des Tauchscheins im Meer die ersten Tauchgänge zu absolvieren. In Thailand gab es auch direkt einiges zu sehen. Mir persönlich hat es auch nichts ausgemacht, im Urlaub die Theorie zu lernen. Es kommt auch einfach darauf an, wie viel Zeit du im Urlaub hast und was du dort ansonsten noch geplant hast. Auch die Kosten können ein Kriterium sein. In den Urlaubsländern ist der Tauchschein teilweise günstiger als in Deutschland.

Was hat das Ganze mit Meditation zu tun?

Atmen, genießen, verbinden – Tauchen ist ein sehr entschleunigender Sport. Hierbei geht es nicht um Höchstleistungen oder Wettbewerb. Im Gegenteil. Beim Tauchen bist du häufig in der Gruppe unterwegs, zumindest aber mit deinem Dive Buddy. Gemeinsam erkundet ihr diese wundervolle Unterwasserwelt. Wer etwas Schönes sieht, zeigt es den anderen. Ihr teilt das Erlebnis und tauscht euch danach darüber aus. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es beim Tauchen viel um Verbundenheit geht. Verbundenheit mit der Natur, Verbundenheit miteinander, Verbundenheit mit sich selbst.

Ich freue mich, wenn ich dir mit meinen hier geschilderten Erfahrungen und Gedanken einen kleinen Einblick geben konnte, was mich am Tauchen so fasziniert. Vielleicht hast du ja sogar auch Lust bekommen, das mal auszuprobieren? Einfach mal recherchieren – der erste Schritt ist wirklich schnell gemacht und eröffnet dir den Zugang zu wundervollen Erlebnissen und einer neuen Perspektive auf dich selbst.

Action, Ladies!